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Aufbrechen – Neuanfang und Heilung - Hungertuch 3. Fastensonntag

Aufbrechen – Neuanfang und Heilung - Hungertuch 3. Fastensonntag


# Liturgisches Leben - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Samstag, 6. März 2021, 13:53 Uhr

Hungertuch 3. Fastensonntag

Aufbrechen – Neuanfang und Heilung

Wenn wir das Bild wieder von links nach rechts betrachten, erkennen wir, dass Unterschenkel und Fußgelenk geführt werden durch in Falten genähten Stoff.

Vielfachgefaltet, auseinandergeschnitten, auseinanderklaffend wie verletzte Haut und mit goldenem Zickzack wieder zusammengenäht, um Heilung zu ermöglichen. Falten weisen auf Störungen hin – so als ob sich eine unsichtbare Haut über die Knochen schiebt: Äußere Hülle und inneres Gerüst passen nicht mehr zusammen.

In der Mitte knickt der Fuß ab und zeigt nun nach oben. Von beiden Seiten her zielen die Textilien und das Motiv spitz zulaufend auf eine zersplitterte, sternförmige Wunde im Gewebe. Hier ist das Zentrum des Geschehens. Hier entscheidet sich: Bricht mein Widerstand oder stehe ich wieder auf. Mitten in der Krise verändern sich Richtung und Haltung. Viele eng verschlungene Linien in der Mitte vermitteln Kampf und auch Zerbrechlichkeit, die sich dann im linken Bildteil beruhigen und offener werden. Beim Anschauen spürt man nicht nur den Schmerz, sondern auch die Leichtigkeit der Linien, die kämpfen, sich lösen und schließlich befreien.

Das Bild zeigt uns die Möglichkeit, wie wir in der Krise einen Übergang zum Weg nach vorn finden können. Im Bruch zeigt es uns das Gründende – in der Überschreitung des Bruches eröffnen sich neue Wege der Erfahrung und des Aufbruchs. So begründet der Bruch einen Auf-Bruch.

Das ist das Credo des Hungertuches: Die Kraft des Wandels!

 

In der Lebensgeschichte eines jeden Menschen gibt es Brüche. Meistens wollen wir sie schnell überschreiten und somit ungesehen und ungeschehen machen. Wir empfinden sie als Makel. Welche Brüche in meinem Leben können für mich zum Aufbruch werden?



Hungertuch 2. Fastensonntag

Fallen - Gewissheiten zerbrechen

Alles beginnt mit dem Fallen. Vor dem Schmerz und dem Leid kommt der Fall des Menschen. Ein Fuß erstreckt sich von rechts nach links über das gesamte Tuch. Für uns, die wir von links nach rechts lesen, ist es eine ungewöhnliche Blickachse. Ganz rechts können wir die Linien des Röntgenbildes entdecken. Mit Zeichenkohle sind in geschwungenen Gesten die gebrochenen und verdrehten Knochen eines linken Fußes, der Ferse und des Unterschenkels umrissen. Die goldenen Blüten, wie zufällig hingestreut, sind dem Muster der Bettwäsche gefolgt und bilden den Kontrast zu den schmerzvollen Brüchen.

Von einem Tag auf den Anderen trat mit der Corona Pandemie der Ernstfall ein. Das Virus setzte unsere Selbstverständlichkeiten außer Kraft. Unsere wohltuendsten Gesten, einander die Hand geben, sich umarmen, gemeinsam essen, werden zu Quellen der Gefahr. Neben Corona verbreiten sich die Viren des Hasses und des Populismus von links nach rechts. Die Welt wird zu einem Krankheitsfall, eine Zäsur. Es wird ein davor und danach geben, aber es wird nie wieder so wie vorher sein.

Durch den Blick ins Körperinnere durchblicken wir die Oberflächlichkeit und sehen tiefer. Ein gebrochener Fuß kann wieder heilen, aber er wird nie wieder wie vorher sein. Er hinterlässt Narben am Körper und an der Seele. Auch lässt uns der gebrochene Unterschenkel und sie zermarterten Füße an die Passion Christi denken. Auch sie war nicht das Ende, denn Gott hat die Füße Jesu auf weiten Raum gestellt.

Die Pandemie hat uns den Blick auf unsere gequälte und bedrohte Erde und ihre Bewohner geweitet. Wir können nicht zu der Normalität von früher zurückkehren. Denn die Normalität war das Problem!


Wenn ich in dieser Woche zu einem Fall werde oder in eine Falle tappe, werde ich meinen Blick weiten und fragen, ob Gott mir etwas damit sagen will.


Hungertuch 2021 Einführung

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Vielleicht haben einige von uns noch die ausdruckstarken Farben des Hungertuches vom vorigen Jahr im Kopf. Dagegen wirkt das Bild zart, durchsichtig, fast könnte man sagen fadenscheinig. Die Künstlerin Lilian Moreno Sanchez hat als Grundlage für ihr Bild ein Röntgenbild eines vielfach gebrochenen Fußes gewählt. Der Fuß gehört zu einem Menschen, der im Oktober 2019 bei Demonstrationen in Santiago de Chile schwer verwundet wurde. Die Proteste sind gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land gerichtet. Damals wurden über 1000 Menschen verletzt und 7000 verhaftet. Die Demonstranten haben den Platz in „Platz der Würde“ umbenannt.

Der Untergrund des Bildes, welches als Triptychon angelegt ist, besteht aus Bettlaken eines europäischen Krankenhauses und eines bayrischen Frauenklosters. So soll schon das Material authentisch körperliches Leid und seelisch-spirituelle Not transportieren. Auf dem Platz der Würde hat sie Staub und Erde eingesammelt und in den Stoff gerieben. Der Stoff wurde dann nicht glatt, sondern mit eingebügelten Falten und Verwerfungen auf den Keilrahmen gespannt.

Trotzdem wirkt das Bild leicht, fast möchte man sagen beschwingt. Leben ist ein Prozess, der immer weitergeht. Auch mit verwundeten und gehemmten Füßen vertrauen wir auf die Kraft des Wandels.

Das Thema ist aus dem 31. Psalm genommen in dem Gott als die sichere Zuflucht besungen wird.


Mit der folgenden Aufgabe kann uns das Hungertuch in der kommenden Woche begleiten: „Ich werde in dieser Woche meine Füße auf dem Boden behalten und keine fadenscheinigen Ausreden benutzen.“


Monika Gunkel