Getrennt und doch verbunden - ​St. Cäcilia in Zeiten der Corona Pandemie​

Getrennt und doch verbunden - ​St. Cäcilia in Zeiten der Corona Pandemie​


# Allgemeines - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Freitag, 29. Mai 2020, 17:50 Uhr

Schlagartig wurde das öffentliche Leben und damit auch das gemeinschaftliche Leben unserer Gemeinde mitten in der Fastenzeit abgebrochen – ein Lock down aller Kontakte zwischen Menschen, ein Ende öffentlicher Gottesdienste, ein Verbot aller Gruppentreffen. Seniorenkreis und Pfarrjugend, YouKi und Kinderkirche, der Ökumenische Kreis und die Pfadfinder, der Frauenkreis und die Ministranten: jäh waren alle Treffen abgesagt; der Kalender wurde abgeräumt, „Entfällt“ wurde zum Wort der Stunde. Und da war sie schon zu sehen, die große Gefahr, dass mit dem Ende der zwischenmenschlichen Begegnung das Glaubensleben und das Gemeindeleben in St. Cäcilia zum Erliegen kommen. Doch es kam ganz anders: St. Cäcilia wechselte flugs auf neue Wege, suchte neue, andere Möglichkeiten, miteinander in Beziehung, miteinander verbunden zu bleiben. In den vergangenen langen Wochen des Lock downs halfen viele ehrenamtliche Kräfte in zahlreichen Aktionen, Kirche und Gemeinde erlebbar zu halten.

Einen besonderen Stellenwert nehmen sicher die Livestreams der Gottesdienste ein, die uns allen quer durch den Pastoralen Raum in der harten Phase der Corona-Krise Gottesdienst in den gewohnten Gotteshäusern im bekannten Umfeld nahe gebracht haben. Immer wieder gab es das Feedback, wie wertvoll der Blick in die eigene Kirche, auf den eigenen Priester gerade in der isolierten Zeit war. Und sogar Familienmitglieder in weiter Ferne, in Mühldorf und Düsseldorf konnten mitfeiern. Möglich gemacht hat das für den gesamten Pastoralen Raum unser Gemeindemitglied Emmeram Schopper, der unzählige Stunden und sehr viel Liebe für das letzte Detail in diese Livestreams investiert hat. Ein Highlight der ach so kargen Osterzeit war sicher das Video: Unsere Osterkerze wird entzündet. Mit den wunderbaren Klängen des Lumen Christi ließ Pfarrer Karlson trotz aller Einschränkungen das österliche Geheimnis in unsere Häuser einziehen.

Propst Dr. Franke hatte schon sehr bald die Idee, in der Wartezeit kurz vor den sonntäglichen Livestreams kleine Filme über die jeweilige Gemeinde zu zeigen und sie damit den anderen Gemeinden nahe zu bringen. Und so wurde der Film zu St. Cäcilia ein echter Werbebotschafter für unsere Gemeinde. Professionell moderiert von Christopher Tschorn gewährt er einen schönen Blick auf die Orte kirchlichen Lebens, auch wenn überall Corona bedingt die Menschen fehlen. Während Emmeram Schopper mit dortigen Ehrenamtlichen solch einen Film auch für Werder erarbeitete, so fand sich in den beiden großen Gemeinden leider niemand für eine ähnliche Aktion, so dass deren Aktivitäten und Orte im Dunkeln bleiben.

Mehrmals wandte sich Propst Dr. Franke mit einem Wort zum Mittwoch an den Pastoralen Raum. Seelsorge über Video verwirklichte Pfarrer Karlson mit kleinen persönlichen Grußbotschaften an seine beiden Gemeinden, auch Frau Rontschka nutzte diese Möglichkeit für Botschaften an die Kinder. Sie alle wurden ehrenamtlich unterstützt von unserem Gemeindemitglied Emmeram Schopper. Ebenfalls auf ihn zurück gehen Einrichtung und Pflege des Live-Tickers im Internet, der den ganzen Pastoralen Raum mit den wichtigsten Neuerungen, mit Aktionen und geistlichen Impulsen versorgte.

Hier fanden und finden sich dann auch die Online-Versionen der Hausgottesdienste, ebenfalls eine, vielleicht die Erfolgsgeschichte dieser Corona-Krise. Denn natürlich sind längst nicht alle unsere Gemeindemitglieder in der Lage, digitale Angebote in Anspruch zu nehmen. Wie aber können wir gemeinsam Gottesdienst feiern, getrennt und doch verbunden? Inzwischen sind unzählige Hausgottesdienste mit den liturgischen Texten des jeweiligen Sonn- oder Feiertages, einem geistlichen Impuls, Fürbitten und der Geistigen Kommunion entstanden und von ehrenamtlichen Helfern an die Senioren unserer Gemeinde persönlich zugestellt worden.

Die Senioren wissen die Hausgottesdienste vornehmlich aus der Feder von Ailbhe Schopper sehr zu schätzen; sie freuen sich auch über die immer wieder anderen Mitgebsel, die darin verborgen sind, und über die liebevolle Gestaltung. Ab und an sind die Hausgottesdienste auch ganz auf die Bedürfnisse von Familien zugeschnitten. Selbstverständlich wird dieser Dienst bis zur vollständigen Öffnung weitergeführt. Das bedeutet unter anderem auch, dass etwa Eileen Schade seit Mitte März jeden Freitag eine Ladung Hausgottesdienste abholt und bis Beelitz und darüber hinaus bringt.

Aus dem intensiven Austausch mit St. Antonius stammte der Grundimpuls, einmal etwas für Kinder zu tun. Und so erarbeitete Monika Gunkel eine „Karwoche für Kinder“, gab noch ein Buch aus ihren Beständen dazu und wir konnten u.a. den Erstkommunion-Kindern ein dickes Päckchen zur Ostervorbereitung in den Briefkasten stecken. In einem Osterbrief wandte sich Pfarrer Karlson ganz persönlich an alle Senioren auf unserem Pfarrgebiet; auch diese Aktion machten ehrenamtliche Kräfte logistisch erst möglich.

In all den Wochen der Isolation hat Monika Gunkel unsere Kapelle auf dem Wolkenberg offen gehalten, dem liturgischen Kalender angemessen gestaltet und geschmückt. Fastenzeit, Karwoche und Osterfest waren damit für die stillen Beter nachvollziehbar und erlebbar. Sie hat Palmzweige gebunden, die Pfarrer Karlson uns segnete. Christopher Tschorn versorgte uns unter Wahrung aller Abstandsregeln mit dem Abendmahl; zahlreiche Kirchenwächter ermöglichten uns die Abholung des Osterlichtes. Im Hintergrund fanden seelsorgende Gespräche statt; Krankenkommunion, stille Gebete – allen, die hier gewirkt haben, gilt ein ganz besonders großer Dank.

Und als dann die Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste möglich wurde, da musste schnell überlegt werden, wie all die Hygieneregeln sich mit der einzigartigen Atmosphäre unserer kleinen Kapelle vertragen. Wie wir auch den Schutz der Bewohner des Hauses St. Norbert gewährleisten können, die als besondere Risikogruppe noch immer unter Quarantäne stehen. Leider gar nicht, so lautete das nüchterne Fazit. Und so schlug nach langer Pause die Stunde unserer Küster, die in einem Großeinsatz den Saal im Haus St. Georg in eine Kirche verwandelten und so für viele Platz schufen.

Zumindest die Pflicht zur telefonischen Anmeldung konnte nach den neuesten Lockerungen aufgehoben werden – doch natürlich sehnen alle den Tag herbei, an dem wir wieder Messe in unserer Josefskapelle feien dürfen. Derzeit jedenfalls sind viele noch ausgeschlossen von der Feier, sei es aufgrund ihrer eigenen gesundheitlichen Situation, etwa die Senioren, sei es aufgrund all der Merkwürdigkeiten, die die Hygienemaßnahmen so mit sich bringen, wie die Kinder.


Gerade die Erstkommunion – Kinder sind besonders hart getroffen, musste das Fest der Heiligen Erstkommunion doch in den Herbst verschoben werden. Um den Kindern von St. Cäcilia dennoch ein Gefühl von Gemeinde zu vermitteln, sind im Augenblick wieder viele Ehrenamtliche im Einsatz: Sie nutzen die bekannten Karten mit den sieben Barmherzigkeiten, um Kindern ein Lebenszeichen und Grüße aus der Gemeinde zu schicken. Jedes Kind erhält sieben Barmherzigkeiten – sieben persönliche Grüße von sieben Persönlichkeiten unserer Gemeinde. Damit der Nachwuchs unserer Gemeinde spürt: Du gehörst dazu. Zu dieser wunderbaren, sehr lebendigen und lebensfrohen Gemeinde St. Cäcilia.

Text: Imina Schopper

Fotos: Emmeram Schopper